Maschinenstundensatz

In einer anlagenintensiven Produktion werden die Fertigungs­kosten von den Maschinen­stunden­sätzen dominiert, während die Personal­kosten in den Hinter­grund treten. Beim ersten Hinsehen wird häufig geschluss­folgert, dass die Wett­bewerbs­unterschiede gering sind. Schließlich sind die Anschaffungs­kosten der Maschinen und Bearbeitungs­zeiten für alle Wett­bewerber annähernd gleich, die Abschreibungs­dauer durch den Gesetz­geber vorgegeben.

Diese Schlussfolgerung ist oberflächlich, denn bei genauerem Hinsehen werden signifikante Unter­schiede deutlich.

Der Maschinenstundensatz ergibt sich aus der Division von Maschinen­kosten und geleisteten Fertigungs­stunden.

Formel Maschinenstundensatz
Er lässt sich reduzieren, indem entweder der Dividend, also die Maschinen­kosten, verkleinert oder der Divisor, das heißt die Fertigungs­stunden, vergrößert werden.

Betrachten wir dazu die einzelnen Kostenelemente.

Kosten des Maschinenarbeitsplatzes

Anschaffungskosten

Rund 70 Prozent der Kosten werden durch die Konstruktion fest­gelegt, sind also in den nach­folgenden Prozessen nur noch zu 30 Prozent beein­flussbar. Es ist deshalb sehr wahr­scheinlich, dass die Wett­bewerber bei gleichen oder ähnlichen konstruktiven Lösungen und Produktions­mengen auch zu den gleichen Fertigungs­lösungen kommen. Sie werden ggf. neu zu beschaffende Maschinen bei den gleichen Herstellern anfragen. Bei einer an­stehenden Neu­investition stellen sich viele Planer und Entscheidungs­träger aber die Frage: „Kaufen wir die Maschine nur für den aktuellen Fertigungs­auftrag oder kaufen wir eine größere Maschine, um darauf später auch andere, größere Teile produzieren zu können?“ Viele ent­scheiden sich dann für eine größere Maschine, die teurer ist. Zum Beispiel wird statt einer not­wendigen 600 Tonnen Presse eine 1.000 Tonnen Presse gekauft. Oder es werden Zusatz­ausstattungen gekauft, die für die un­mittel­bare Fertigungs­aufgabe nicht gebraucht werden oder keinen an­gemessenen wirt­schaftlichen Nutzen bieten. Hier kann es dann doch zu beträchtlichen Kosten­unter­schieden zwischen den Wett­bewerbern kommen.

Von diesen Unterschieden einmal abgesehen, sind die Kosten­einsparungs­potenziale bei den Anschaffungs­kosten aber eher gering.

Abschreibungsdauer

Die steuerliche und damit zumeist auch kalkulatorische Abschreibungs­dauer ist, zumindest für die inländischen Wett­bewerber, gleich. Kosten­vorteile ergeben sich hieraus nicht, auch wenn die intensive Anlagen­nutzung, zum Beispiel im Konti­betrieb, zu einer höheren Abnutzung führt, was sich dann in höheren Instand­haltungs­auf­wendungen ausdrückt.

Kapitalkosten

In der betriebswirtschaftlichen Literatur werden die Kapital­kosten häufig in den Stunden­satz einbezogen. Das ist in der Praxis umstritten, weil die Kapital­verzinsung als Teil des unter­nehmerischen Gewinns betrachtet wird.

Raum- oder Flächenkosten

Die Raumkosten ergeben sich aus der vom Maschinen­arbeitsplatz belegten Fläche und den Raum­kosten pro Quadrat­meter. Der Flächenbedarf einer Maschine wird durch ihre Bauart und Konstruktion bestimmt sowie die erforderlichen Bedien-, Wartungs-, Instandhaltungs- und Sicherheitsflächen. Manche Maschine und mancher Montagearbeitsplatz sind schlecht konstruiert und benötigen deshalb große Flächen. In einem Praxisbeispiel wurden bei einer Fügemaschine die Bereitstellflächen für die Kleinladungsträger so hoch angeordnet, dass ein zusätzliches Podest hinter der Maschine angebracht werden musste. Die Leerbehälter mussten auf der Bedienfläche abgestellt werden, weil sie konstruktiv bedingt nicht zur Bereitstellungsseite durchgereicht werden konnten. Das führte zu einem höheren Flächenbedarf, einer Erhöhung des Unfallrisikos und Störung des Bedieners beim Abtransport der Leerbehälter. In einem anderen Fall wurde die Be- und Entladestation einer Roboterschweißzelle über Eck angeordnet, was die Bedienfläche verdoppelte und zu wesentlich längeren Wegezeiten des Bedieners führte.

Schalt- und Steuerschränke sowie Kühlgeräte lassen sich oberhalb der Maschine, auf einer Zwischenbühne aufstellen.

In der Praxis sind Abweichungen in der Flächenbelegung von bis zu einhundert Prozent keine Seltenheit.

Personalkosten

Die Personalkosten sind in der betriebswirtschaftlichen Literatur häufig nicht Bestandteil des Maschinenstundensatzes, obwohl kaum eine Maschine ohne Bediener auskommt. In der Regel gibt es für eine oder mehrere Maschinen einen Bediener, dessen Kosten der oder den Maschine(n) direkt zugeordnet werden können. ERP-Systeme, wie SAP R/3 erlauben separate Vorgabezeiten für Mensch und Maschine. Es hängt von der Philosophie des einzelnen Unternehmens ab, ob die Personalkosten Bestandteil des Maschinenstundensatzes sind oder getrennt verrechnet werden.

Automatisierungsmaßnahmen verringern den Personalbedarf, erhöhen aber die Anschaffungs­kosten und damit die Abschreibungsaufwendungen.

Energiekosten

Die Energiekosten hängen von den Anschlusswerten der Maschine und der tatsächlich in Anspruch genommenen Leistung ab. Eine Überdimensionierung der Maschine (siehe auch Anschaffungs­kosten) führt zwangsläufig zu einem höheren Energieverbrauch. Zum Beispiel müssen bei einer 1.000 Tonnen Presse größere Stößelmassen bewegt werden, als bei einer 600 Tonnen Presse, auch bei sonst gleichem Bauteil.

Kosten sonstiger Medien

Zu den sonstigen Medien gehören Druckluft, Kühlwasser, Gase, etc. Die Kosteneinsparungs­potenziale sind eher gering.

Instandhaltungskosten

Die Instandhaltungskosten hängen bei vergleichbaren Einsatzbedingungen im Wesentlichen von der konstruktiven Auslegung, Gestaltung und Qualität der Maschine ab. Zum Beispiel, sind typische Verschleißteile Norm- und Katalogteile oder herstellerspezifische Konstruktionsteile. Norm- und Katalogteile können von vielen Anbietern bezogen werden und unterliegen dem Preiswettbewerb. Konstruktionsteile können nur beim Hersteller bezogen werden, es gibt keinen Preiswettbewerb. Aber auch die Zugänglichkeit der auszutauschenden Verschleißteile spielt eine Rolle. Nicht selten sind aufwendige Demontagen notwendig, um die Teile auszutauschen. Ein schlechter oder mittelmäßiger Ersatzteilservice des Herstellers zwingt zur eigenen Ersatzteilbevorratung. Hier kann es zwischen den einzelnen Maschinenherstellern durchaus größere Unterschiede geben.

Natürlich werden die Instandhaltungsaufwendungen auch von der Nutzungsintensität beeinflusst. Maschinen im Kontibetrieb haben höhere Instandhaltungsaufwendungen, als Maschinen im Ein- oder Zweischichtbetrieb.

Geleistete Fertigungsstunden

Der wichtigste Stellhebel für die Reduzierung des Maschinenstundensatzes sind nach unserer Meinung die geleisteten Fertigungsstunden, das heißt die Stunden, die direkt auf Kundenaufträge verrechnet werden.

Die Höhe der geleisteten Fertigungsstunden hängt zum einen von der Auslastung der Maschine und zum anderen von der Anlageneffizienz (OEE) ab.

Die Auslastung wird durch die Kapazität und den Kapazitätsbedarf bestimmt. Überdimensionierte Kapazitäten lassen sich nicht zufriedenstellend auslasten. Eine Maschine, die im Hinblick auf zukünftige Opportunitäten größer als notwendig gekauft wurde, führt heute zu einem höheren Maschinenstundensatz und belastet das Ergebnis.

Die Anlageneffizienz (OEE Overall Equipment Effectiveness) hängt von den auftretenden technisch und organisatorisch bedingten Stillstandszeiten, dem Rüst- und Umrüstaufwand, der Fehlerquote, etc. ab. Nach Expertenmeinung sollte sie 85 Prozent betragen, liegt aber in der Praxis bei ca. 60 bis 65 Prozent. Sie stellt damit das größte Kostensenkungspotential dar.

Kostenpotenziale

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